Wenn Judo-Löwe Leo brüllt: Judo-Selbstverteidigungskurs für Kinder

Am 23. Mai 2026 war das Ravenstein-Zentrum im Frankfurter Ostend wieder einmal Schauplatz eines besonderen Events. Geboten wurde ein Judo-Selbstverteidigungskurs für Kinder, organisiert vom Hessischen Judoverband (HJV) und ausgerichtet vom FTV 1860. Über 30 junge Judoka aus Oberursel, Schneidhain, Bad Homburg, der Frankfurter Nordweststadt und natürlich auch aus den eigenen Reihen des FTV 1860 waren dabei, ihr Alter lag zwischen 6 und 14 Jahren. Über volle sechs Stunden wurde nicht nur konzentriert trainiert, sondern auch gelacht, gespielt und jede Menge gelernt.

 

Judo-Löwe Leo inmitten der FTV-Kids

 

Urgestein als Kursleiter

Geleitet wurde der kompakte Lehrgang von Eduard Van Thurenhout, einem Veteran der Judoszene im Rhein-Main-Gebiet und gleichzeitig HJV-Referent für Breitensport und Beauftragter für Selbstverteidigung. Der umgängliche Coach, der sich von allen Eddi nennen ließ, hatte die Kinder mit seiner lockeren, aber klaren Ansprache von der ersten Minute an für sich gewonnen. Gleich zu Beginn betonte er, dass Kinder, die Judo machen, für Selbstbehauptung, Selbstverteidigung und Prävention bereits sehr gute Grundlagen besitzen. Der Kurs hatte das Ziel, sie mit ergänzenden Fähigkeiten auszustatten. Wie Eddi erklärte, sei er seit drei Jahren fester Bestandteil des Angebots für Kinder und Jugendliche im HJV. Erstmals, so der Coach später im Gespräch, habe er an jenem Samstag ein Konzept mit erweiterten Inhalten ausprobiert.
Höhepunkt der Begrüßung: Plötzlich trat Judo-Löwe Leo, das Maskottchen des Hessischen Judo-Verbands, lebensgroß mit Mähne, Schweif, Judo-Anzug und schwarzem Gürtel aus dem Geräteraum auf die Matte. Die Kinder waren begeistert und begrüßten Leo mit einem lauten „Hallo!“

Im Team die Konzentration geschärft

Weiter ging es direkt mit Spielen und Bewegung. Beim Feuer-Wasser-Blitz-Spiel mit Zahlen von 1 bis 5 wurde die Konzentration geschärft. Es folgte eine kurze Erklärung, was Prävention eigentlich bedeutet. Den Zuhörenden wurde nahegebracht, warum Selbstbewusstsein und Körpersprache so wichtig dafür sind, sich sicherer durch die Welt zu bewegen, und zwar ohne sich überheblich oder provokativ zu verhalten.
Nach weiteren Spieleinlagen wie Leiterhüpfen wurde es ernsthafter: Zu zweit übten die Kinder mit einem Kurzgürtel am Rücken, wie man sich in bedrohlichen Situationen vorteilhaft positioniert und wie man einen Angriff durch einen ausgestreckten Arm mit einem Ellenbogengriff von außen abwehrt.

 

Konzentrierte Vorbereitung der nächsten Übungseinheit

Spiele, Abwehrtechniken, jede Menge Action

Auch das Pendeln, also das Zurückweichen mit dem Oberkörper bei einer Attacke, wurde geübt. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Gruppenarbeit: Die Kinder lernten unter Verwendung eines Ampelsystems, wie man Grenzen setzt und zwischen „grünen“ (vertrauten) und „roten“ (fremden) Personen unterscheidet. Die Armabwehr wurde um den O-soto-otoshi erweitert, eine den Kids aus dem Judosport wohlbekannte Technik zum Zu-Boden-Stürzen des Gegners, die sie mit Begeisterung ausprobierten. Teilnehmerin Ida, auch als Trainerin beim FTV-eigenen Eltern-Kind-Judo aktiv, kommentierte später: „Es ist gut zu wissen, was man machen kann, falls man wirklich mal bedroht oder angegriffen wird.“ Diesen Zusammenhang bleute Trainer Eddi den Kindern mehrfach ein: Beim Kampfsport gelten feste Regeln, „unfaire“ Angriffe gegen sensible Körperzonen sind tabu. Bei der Selbstverteidigung hingegen ist alles erlaubt, was hilft, einen Aggressor in die Schranken zu weisen. Mit entsprechenden Modifikationen und Erweiterungen eignen sich viele Judo-Techniken sehr gut dafür, wie Eddi betonte.

 

Action beim Schlagen auf die Pratzen

 

Stimme, Courage und Schlagkraft trainieren

Nach der zweiten Pause wurde es noch intensiver. Die Kinder übten, wie man richtig „Hilfe!“ ruft, sich wann immer möglich durch Wegrennen der Gefahr entzieht und den Notruf 110 wählt. Dann ging es um das Lösen und Sprengen von Griffen sowie den Einsatz der „Hammerfaust“ und des Handballenstoßes. Auch die Abwehr von Faustschlägen und verschiedene Weiterführungen wie Knieschlag, Ellenbogenschlag, die kraftvolle Beinsichel O-soto-gari und der Hüftwurf O-goshi standen auf dem Programm.
Besonders spannend wurden die Übungen mit den Pratzen. Hier konnten die Kinder Schlag- und Trittechniken einmal mit voller Kraft ausprobieren. Auch das Befreien aus Umklammerungen der Handgelenke, Bodenabwehr und das Festlegen eines liegenden Gegners wurden geübt.

Geschicklichkeit und Selbstbewusstsein

Doch es ging nicht nur um Technik und Empowerment. In einem Geschicklichkeitsparcours konnten die Kinder ihr Können unter Beweis stellen. Wenn man rumfragte, herrschte am Ende des Tages Einigkeit: Dieser Judo-Selbstverteidigungskurs mit seiner Mischung aus Spielen, situationsbezogenen Übungen und ernsthaften Selbstverteidigungstechniken hat den Kindern sehr viel gebracht. Die neunjährige Teilnehmerin Runa resümierte: „Es war cool und hat viel Spaß gemacht, aber auch anstrengend und vielleicht ein kleines bisschen zu lang.“

 

 

Die Teilnehmenden präsentieren stolz ihre Urkunden

 

Ein halber Tag, der begeistert hat

Die Mischung aus Freude und Erschöpfung stand den Teilnehmerinnen und Teilnehmern tatsächlich ins Gesicht geschrieben. Am Ende nahmen sie eine Urkunde und den Benefit mit nach Hause, von jetzt an noch ein Stückchen selbstbewusster unterwegs zu sein.

Ein dickes Dankeschön an Eduard Van Thurenhout, an die unterstützenden Trainerinnen und Trainer aus den teilnehmenden Vereinen und natürlich an den Hessischen Judoverband für dieses tolle Angebot. Wer weiß, vielleicht ist Judo-Löwe Leo beim nächsten Mal ja wieder mit dabei.

 


Referenzen

Dieser Beitrag ist auch in unserer FTV-Vereinsinfo im Mai 2026 erschienen.

Ein weiterer Artikel zum Event mit Bildern ist auch beim Hessischen Judo-Verband erschienen.